Am 29. und 30.01.2026 veranstaltete das DFG-Graduiertenkolleg „Standards des Regierens“ seine Midterm-Konferenz im Casino-Gebäude der Goethe-Universität Frankfurt. Unter dem Titel „Standards, Governance und Global Transformations“ diskutierten internationale Expert:innen zusammen mit den Mitgliedern des Graduiertenkollegs inwiefern Standards internationale Politik formen und zugleich Gegenstand von Aushandlung sowie Konflikt sind.
Den Auftakt bildete die Begrüßungsrede der Sprecher:innen des Kollegs Jens Steffek (Technische Universität Darmstadt) und Sandra Seubert (Goethe Universität Frankfurt) für die 50 Teilnehmer:innen. Im ersten Panel „Legitimacy challenges of sustainability standards for (global) supply chains“ setzten sich Almut Schilling-Vacaflor (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg), Christian Scheper (Universität Duisburg-Essen) und Lena Gigerl (Technische Universität Darmstadt) unter der Leitung von Julia Drubel (Technische Universität Darmstadt) mit der Frage auseinander, ob die Etablierung von Standards eine effektive und legitime Möglichkeit darstellen, internationale Lieferketten zu regulieren.
Im zweiten Panel, geleitet von Charles Thiebaud (Goethe Universität Frankfurt), diskutierten Axel Marx (Katholieke Universiteit Leuven), Ellen Mangnus (Wageningen Universiteit), Sebastian Oberthür (Vrije Universiteit Brussel) und Ashok Ganesh (Europäische Komitee für Normung CEN) die praktische Umsetzung von Standards in Europas ökologischer Transformation und deren Potenzial, Handel nachhaltiger zu gestalten.
Die gegenwärtigen Aushandlungsprozesse fasste Ellen Mangnus zusammen:
„There is a lot of contestation nowadays in these changing geopolitical times. There are a lot of non-Western values popping up and claiming more space. So, when it comes to sustainable trade, I think we need to make sure that diverse voices and knowledge are represented in standard setting.“
Den Abschluss des ersten Tages bildete die Keynote von Eleni Tsingou (Handelshøjskolen i København) mit dem Titel „Global standard setting in uncertain times—‘small’ institutions as anchors of multilateralism“. Am Beispiel der Financial Action Task Force (FATF) diskutierte die dänische Wissenschaftlerin, die Frage was internationalen Organisationen in der aktuellen Krise des Multilateralismus resilient macht.
Der zweite Konferenztag startete mit dem Panel „Standards and the Digital Transformation“ geleitet von Lea Radke (Goethe Universität Frankfurt) und Sebastian Jaschke (Technische Universität Darmstadt). Lena Ulbricht (Universität Hildesheim) und Lucas von Ramin (Technische Universität Dresden) zeigten Herausforderungen für demokratische Staaten bei Normierungen in und für die digitale Welt auf. Während Lena Ulbricht am Beispiel von Roblox digitale Plattformen auf Legalität und Legitimität hin untersuchte, ging Lucas von Ramin der Frage nach „wie […] digitale Technologien politische Wahrnehmung und Normativität [verändern].“
Im vierten Panel „Standards, infrastructure, and the governance of natural ecosystems“ Karen Siegel (Universität Münster), Daniela Triml-Chifflard (Philipps Universität Marburg), Selen Eren (Oulun Yliopisto) und Julia Drubel stellten diverse Ökosysteme und deren Nutzbarmachung, Nutzung und Regulierung vor. Unter der Leitung von Andrea Heigl (Technische Universität Darmstadt) lag der Fokus der Diskussion darauf, wie Standards menschliche Eingriffe in diese Systeme regulieren und wie sie infrage gestellt werden.
Den Schlusspunkt der Konferenz setzte ein Panel mit Nils Brunsson (Uppsala Universitet), Martha Lampland (University of California San Diego) und Allison Loconto (Université Gustave Eiffel). Mit dem Thema „Finding a common language? Past trajectories and future avenues of standardization research“ leitete Jens Steffek die offene Diskussionsrunde. Das Panel eröffnete Perspektiven für die künftige Standardisierungsforschung und unterstrich zugleich ihre anhaltende Bedeutung sowie ihren konzeptionellen Weiterentwicklungsbedarf. „The main takeaways for me are that standards and norms are not politically neutral; they have a political ordering effect and also demonstrate power relations between different actors“, so das abschließende Resümee zur Konferenz von Daniela Triml-Chifflard.
Eine Übersicht über das vollständige englischsprachige Programm der Auftaktkonferenz finden Sie hier.

































